Leben unter veränderten Bedingungen. Schwindlige Pflanzen / Double Rotator

Mehrteilige kinetische Rauminstallation, großes Objekt mit 150cm Durchmesser
Ausstellung Helga Franz. Leben forschen, Galerie im Körnerpark Berlin 2011
Installationen in Versuchsreihen, Teil I. Saaten, 2008

Die bei der zentrischen Rotation entstehende Fliehkraft übt einen Einfluss auf biologisches Wachstum aus. Der Rotor des Objekts läuft ununterbrochen, damit keine Irritation der Pflanzen eintritt. Bei jahrelangen Versuchen mit unterschiedlichen Drehgeschwindigkeiten und Saaten (Versuchsreihen I, 2008) erprobte ich die adäquaten Parameter. Roggen und Weizen treiben unterschiedlich in Farbe und Geschwindigkeit aus. Bald wenden sich die außen stehenden Halme der Rotormitte zu, um sich der Zentrifugalkraft entgegenzustellen. Mit einer gewissen Halmhöhe gelingt ihnen das nicht mehr, sie müssen sich den einwirkenden Kräften fügen und legen sich gegen die Rotationsrichtung. Nach fünf Wochen, zum Ende der Ausstellungszeit, ist eine Spirale aus Getreidehalmen zu erkennen.

Gravitropismus bei Parabolflügen und im All
Im europäischen Raumlabor Columbus in der Raumstation ISS werden im biolab Forschungsprogramme mit Pflanzen in Schwerelosigkeit durchgeführt. Bei diesen Untersuchungen von Pflanzenreaktionen auf Schwerelosigkeit, dem Gravitropismus, wird mit molekular- und zellbiologischen Methoden zum Beispiel am Wachstum der Schotenkresse ein divergierendes Verhalten der Wildform im Vergleich zur genetisch veränderten Form beobachtet: die Statolithen (Gravitationssensoren in der Wurzelhaube; stärkereiche Partikel und Rezeptoren) der Wildform ließen deren Wurzeln auf einer schrägen Ebene wellenförmig wachsen, während die Wurzeln der genetisch veränderten Form spiralig oder kreisförmig wuchsen (Circumnutation).

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